Alle feiern die „Kerb“… und Rollwald?

Ein Beitrag zur Nirreräirer Kerb 2023

Weiskirchen, Hainhausen, Jügesheim, Nieder-Roden – Alle feiern die „Kerb“… und Rollwald?

Einmal wurde auch in Rollwald Kerb gefeiert. Das war Anfang der 1950er Jahre. Alte Fotoaufnahmen erinnern an das Ereignis. Es gab keine Fahrgeschäfte, wie an Kirchweih in den Nachbarorten, doch die Rollwälder wollten zeigen, dass sie mit ihren bescheidenen Mitteln auch etwas auf die Beine stellen und feiern können.

Rollwälder Kerbburschen bei der “Arbeit”. ©Rollwald-Dokumentation

In Nieder- und Ober-Roden wurde dies teils sehr skeptisch gesehen. Um eine Kerbe – eine „Kirchweihe“ zu begehen – muss man auch eine Kirche im Ort haben, die irgendwann mal eingeweiht wurde. Wenn der Ort keine Kirche hat, ist nichts eingeweiht, also darf es auch keine Kerb geben.

Kerbplatz im Rollwald war der Hof des Lokales Stelzmüller. Johann Stelzmüller hatte einen Teil des ehemaligen Arresthauses gekauft und hier ein Lokal eröffnet, das sich schnell zu einem wichtigen Zentrum entwickelte. Hier war die Kneipe, der Versammlungsraum, die Post, das Wahllokal, der Ort für Feste und Faschingsveranstaltungen und einmal auch für die Kerb.

Da am Nebeneingang des Lokals die Bebauung der Siedlung endete, gab es reichlich Platz für Tische, Bänke, Schießbude und eine Tanzfläche.

Fröhlicher Kerbtanz beim Lokal “Stelzmüller”. Der Ordnungshüter ist auch vor Ort (links im Bild). ©Rollwald-Dokumentation
Der Rollwälder Kerbplatz im Hof des Lokales “Stelzmüller”. ©Rollwald-Dokumentation

Für gute Laune sorgten acht Kerbburschen, die den Schutzpatron der Kerb, den „Kerbejohann“, auf dem Dach der ehemaligen Arrestbaracke platziert hatten. Ob dazu, wie an anderen Orten auch, gesungen wurde:

„Wo ist denn der Johann?           Ist der Johann nicht zuhaus’?

Er ist auf der Kirmes,                   er holt sich einen Rausch !“

ist nicht überliefert.

Die Rollwälder Kerbburschen Paul Kriegsch, Peter Bauer, Heinz Leipold, Fritz Frenzel, Herbert Kriegsch, Rudi Gutjahr, Bruno Rasch und Josef Kriegsch. ©Rollwald-Dokumentation

Zum Abschluss der Festtage hatte er auch hier in Rollwald für alle Sünden der Kerbzeit die Verantwortung zu übernehmen und wurde am Kerbmontag verbrannt. Doch nicht nur der Kerbbursche brannte an diesem Kerbfest, sondern auch die Scheune des benachbarten landwirtschaftlichen Betriebes.

Und in den Nachbarorten hat man es ja vorher gewusst: Ohne geweihte Kirche im Ort darf man keine Kerb feiern.
Selbst schuld !

Das frühere Arresthaus war bald nach dem Abzug der Amerikaner begehrte Wohnraum und ein guter Platz für den Kerbburschen. ©Rollwald-Dokumentation

Beitrag von Werner Stolzenburg (Rollwald-Dokumentation),
erschienen als “Rollwald-Puzzle” (Ausgabe 9/2023) der Gruppe Rollwald-Aktiv.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung.
Vielen Dank!


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